• Fabia Mortis

Totensumpf

Aktualisiert: Okt 3


Foto: Cristina Fernández



Im fahlen Zwielichtschein

Dort im öden Sumpf

Sitzt er ganz allein

Auf einem Baumgestumpf

Er nagt an Mark und Bein

Von einem toten Rumpf.


Es ist der Schwarze Grimm

Just vom Schlaf erwacht

Blut tropft ihm vom Kinn

Als es im nahen Walde knackt

Fliegt sein Blick dorthin

Der Jagdtrieb ist entfacht.


Er schnürt durchs faule Nass

In dem das Grauen haust

Wieder hinaus ins dürre Gras

Flink wie die Haselmaus

Der Mond strahlt silberblass

Als der Grimm durchs Dunkel saust.


Bald taucht er in den Schattenwald

Auf der Spur vom süßen Duft

Der ihm in die Nüstern wallt

In der kalten Dämmerluft

Sieht er von ferne die Gestalt

Die ihn so sehr versucht.


Eine schöne, holde Maid

Hat sich im Forst verirrt

Der Grimm tritt auf einen Zweig

Was ihre Angst noch schürt

Dass er sie grauenvoll entleibt

Von seiner Klauenhand berührt.


Er zieht sie in seinen Sumpf

Wo er sie in Stücke reisst

Sein Kauen klingt ganz dumpf

Als er sich fest in ihr verbeisst

Fetzt er den Hals von Rumpf

Nur der Nachtwind flüstert leis‘.


Sein Hunger ist gestillt

Doch nicht für lange Zeit

In ihm lodert heißt und wild

Die Gier nach dem nächsten Weib

Welches ihm den Magen füllt

Wenn er’s durch die Wildnis treibt.


© Fabia Mortis

05.09.21