• Fabia Mortis

Narzissen




Der Wolke gleich, zog ich einher, die einsam zieht hoch übers Land, als unverhofft vor mir ein Meer von goldenen Narzissen stand. Am See, dort wo die Bäume sind, flatterten, tanzten sie im Wind. So stetig wie der Sterne Schein und Funkeln hoch am Himmelszelt, war’n sie in endlos langen Reih’n am Saum der Bucht entlang gestellt. Zehntausende, auf einen Blick, bogen im Tanz den Kopf zurück. Ihr Tanzen übertraf sogar des Wellentanzes Funkelschein: In dieser ausgelass’nen Schar muss selbst ein Dichter heiter sein! Ich schaut’ und schaute, kaum bedacht, welch Wohl dies Schauspiel mir gebracht. Denn oft, wenn auf der Couch ich ruh’ gedankenschwer, des Grübelns leid, gesell’n dem Herzen sie sich zu: dies ist das Glück der Einsamkeit. Erfüllt von Glück mein Herz dann singt mit den Narzissen tanzt und springt.


William Wordsworth

(1770 – 1850)



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