• Fabia Mortis

Ich wär‘ so gern ein Hund

Aktualisiert: Jan 2

Ein Tag im Leben von Willy Schlappohr

Auf vielfachen Wunsch einer Einzelnen ...


Text und Fotos: © Fabia Mortis



Mein Name ist Willy. Willy Schlappohr. Ich lebe in einem kleinen, beschaulichen Städtchen, irgendwo in Mittelfranken. Meine Herkunft liegt völlig im Dunkeln. Sie ist sozusagen geheimnisvoll. Ich war noch ganz jung, als ich mit einem Tiertransport aus dem Ostblock nach Bayern gekommen bin. Zusammen mit meiner Schwester. Die war auch noch ganz klein. Wir sind dann irgendwie im Tierheim gelandet.


Eines Tages standen zwei Menschen vor meinem Käfig. Eine Frau und ein Mann. Die waren schon älter. Aber die haben so gut gerochen! Nach Hund. Da wusste ich: Ich wollte mit. Unbedingt! Natürlich habe ich mich ordentlich ins Zeug gelegt, damit die auch kapieren, dass sie mich einfach mitnehmen müssen! Aber das war kein Problem, denn ich bin – ohne angeben zu wollen – schon ziemlich niedlich. Ich bin ein French Bulldogg, schwarz, mit einem hübschen, großen weißen Fleck auf der Brust. Und ich habe Schlappohren. Irgendwie wollten die sich nie aufrichten. Meine Schwester hat jedenfalls ordentliche Fledermausohren, wie es sich für unsere Art gehört. Dafür bin ich besonders. Ich habe ja schließlich Schlappohren!

Die Frau und der Mann haben mich natürlich mitgenommen. Weil ich sehr treuherzig gucken kann, wenn es die Situation erfordert. Dagegen hatten die beiden keine Chance. Strike!


Jetzt lebe ich in ihrem Haus. Mit Garten. Und ich habe einen weißen Bulldoggen-Kumpel. Mit richtigen Fledermausohren. Felix. Der war schon vor mir da. Er ist viel älter als ich und ziemlich knurrig. Er gibt das Spielzeug nicht her. Aber sonst ist er eigentlich ganz in Ordnung. Er kommt auch aus Osteuropa. Und er war im gleichen Tierheim wie ich. Das hat er mir erzählt.


Ich habe voll das krass-schöne Leben. Frauchen und Herrchen verwöhnen mich nach Strich und Faden. Und soll ich Euch etwas verraten? Ich schaue nicht nur so aus, als würde ich ständig irgendeinen Unfug aushecken – so wie die Tochter des Hauses es ganz richtig vermutet –, sondern es ist tatsächlich so. Ich habe nur Unsinn in meinem Bulldoggenschädel.

Die Tochter riecht übrigens ganz toll. Sie ist leider nur ab und an zu Besuch bei Frauchen und Herrchen. Aber sie verwendet echt teure Cremes, die ich ihr gerne von Händen und Füßen schlecke. Sie quietscht dann immer so schön. Deswegen mache ich das so oft wie möglich. Es scheint ihr ja schließlich zu gefallen. Sie will es! Ganz eindeutig.


Neulich hat sie so ein hübsches dunkelblaues Kleid und dazu schwarze Seidenstrümpfe getragen. Sie hat wieder so nett gequietscht, als ich an ihr hochgesprungen bin und mit meinen scharfen Krallen getestet habe, ob die Strümpfe auch ihr Geld wert waren. Die sahen richtig teuer aus. Dann ist sie doch tatsächlich vor mir abgehauen. Ich bin natürlich sofort hinterher, denn das war eindeutig das Signal zum Spielen.

Ich mag sie. Sie quietscht wirklich superschön. Und vor allem so laut. Da können einem Hund schon die Ohren klingen. Aber ich habe ja glücklicherweise Schlappohren. So a bisserl Weibergeschrei halte ich locker aus. Außerdem bekomme ich am Esstisch immer die abgezogene Haut von ihrer Stadtwurst. Scheinbar mag sie es nicht, wenn ich ihre Finger gleich halb mit auffresse. Deswegen wirft sie diesen Leckerbissen für mich in die Luft, und ich schnappe ihn mir quasi im Sprung. Das haben wir lange geübt, und wir haben beide unseren Spaß daran. Sie quietscht dann ausnahmsweise nicht, sondern lacht stattdessen. Oft steckt sie mir heimlich Gummibärchen aus Frauchens Plastikdose zu. Die steht dummerweise für mich unerreichbar auf der Anrichte in der Küche …

Schade, dass die Tochter nicht öfter zu Besuch kommt!


Ich gehe gerne Gassi und mag es, andere Hunde zu treffen. Das Leben ist echt schön. Wenn Felix mies drauf ist, dann springe ich ihm ganz gerne auf den Rücken und tue so als ob … Ihr wisst schon. Das kann er gar nicht leiden. Aber wir kommen sonst recht gut miteinander aus.


Ich bin übrigens nicht kastriert. Es macht richtig Spaß, mir zwischendurch über die Eier zu lecken. Und dabei zu grunzen. Schweinchenmäßig. Das ist so befreiend. Solltet Ihr unbedingt auch einmal probieren. Lasst doch einfach Euren inneren Hund frei!


Natürlich schlafe ich in Frauchens und Herrchens Bett. Mittendrin. Wo denn auch sonst? Etwa im Körbchen? Ihr lauft wohl nicht ganz rund, oder?

Frauchen sagt immer, sie weiß nicht, wer lauter schnarcht. Ich oder Herrchen. Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Aber es klingt bestimmt sehr harmonisch.


So Leute, ich muss dann wieder los. Richtung Küche. Frauchen kocht. Es riecht nach Fleischküchle. Mmh, dieser verführerische Bratenduft! Einfach unwiderstehlich … Es ist Zeit, die Schlappohrkarte auszuspielen.


Ihr wisst schon …



Geschrieben irgendwann im Jahr 2019