• Fabia Mortis

Eulenwind


Foto: Cristina Fernández



Still treibt sie durch die Nacht

Im Flüsterdaunenkleid

Unter blasser Mondenpracht

Steigt sie hoch und weit

In die kalte Finsternis

Hin zum Schwarzen Riss.


Er ist ein Tor ins Nichts

Ins tote Nebelland

Einen Ort aus üblem Gift

Am fernen Weltenrand

Wo ein alter Dämon wohnt

Der dort als König thront.


Die Eule bringt ihm Kunde

Aus der Menschenwelt

Stets zu später Stunde

Fliegt sie, wie’s ihm gefällt

Sie wirft ihren klaren Blick

Wohin sie ihr Meister schickt.


Er ist ein Geist aus Niedertracht

Der nur Bosheit kennt

Und einen Plan von düst’rer Pracht

Für den auch sein Botenvogel brennt

Er ist ihm das liebste Herzenskind

Sacht tanzt er im Eulenwind.


Dieser fegt alsbald als Sturm

Der die Welt im Zorn verschlingt

Die Eule sitzt auf hohem Turm

Als das Zerstörungswerk beginnt

Aus dem sich ein Geisterreich erhebt

Schwarz und unbelebt.


Es ist wie ein fahler Traum

Durch den es dunkel weht

In diesem öden Morgengrau’n

Ist nichts, was noch besteht

Nur ein Schatten schwebt dahin

Lautlos und geschwind.


© Fabia Mortis

02.10.21