»Poetry is the rhythmical creation of beauty in words.«  Edgar Allan Poe  

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  • Fabia Mortis

Bei den Scharlacheichen




Drüben bei den Scharlacheichen

Die zum Mondenhimmel schweifen

Lohet unterm Blättermeer

Ein Schattenlicht umher.


Wolken ziehen dunkle Schlieren

Die sich bald als Heer drapieren

Den roten Eichen Regen bringen

Unberührt von Erdendingen.


Tief im Moderlaub verborgen

Nachts lebendig – tot im Morgen

Ruhen Knochen und Gebein

Vergessen – ohne Grabgestein.


Sie liegen bis zum jüngsten Tag

Nah am Fluss in feuchtem Sarg

Rühren nächtens fahle Leiber

Männer, Kinder, Geisterweiber.


Weh‘ dem Wandrer dieser Auen

Wird nie die Himmelspforte schauen

Fährt flugs hinab zum Höllenschlund

Zum schauderhaften Finstergrund.


Und die Scharlacheichen wogen

Der Mond steht hoch am Sternenbogen

Kalt brennt er auf das Schattenlicht

Bis es im Morgenschein verlischt.


© Fabia Mortis

22.05.22





Illustration: Pixabay