• Fabia Mortis

Andernacht




Wenn der Geistermond erwacht

Bleich wie ein Totenfluch

Tanzen Fratzen durch die Nacht

Umhüllt von einem Nebeltuch

Liegt das Tor zur Anderswelt

Frei unterm Sternenzelt.


Schatten steigen still empor

Die Luft riecht kühl und klar

Gestalten wagen sich hervor

Zu dieser einen Stund‘ im Jahr

Wenn die Pforte offen liegt

Und der Gespensterspuk erblüht.


Jene schauerliche Schar

Die sich im Herbstwind wiegt

Allein und unsichtbar

Um Menschenhäuser fliegt

Möchte nicht vergessen sein

Unter totem Grabgestein.


Ihre Leiber sind längst kalt

Die Namen nur ein Wort

Sie sind im Nirgendwo verhallt

Selbst die Erinnerung ist fort

Verloren zwischen Zeit und Raum

Schweben sie ins Morgengrau‘n


© Fabia Mortis

31.10.21



Illustration: Pixabay