• Fabia Mortis

Am Dunklen See

Aktualisiert: Sept 14



Es war Nacht. Sie stand am Ufer eines schwarzen Sees, der leise und friedlich im blassen Vollmondlicht zu ihren Füßen gurgelte. Zu ihrer Rechten lag ein ebenso düsterer Tann, dessen Äste lautlos und sacht im Wind raunten. Der klagende Ruf einer Eule flog durch die Dunkelheit. Das Wasser wurde zunehmend unruhiger und wirkte aufgewühlt. Isla tat unwillkürlich einen Schritt zurück. Als sie eine düstere Präsenz in ihrem Rücken fühlte, fuhr sie erschrocken herum. Das Letzte was sie bewusst wahrnahm, war ein Glänzen wie von einem gleißend hellen Eiskristall, bevor sich ein unerträglich schneidender Schmerz auf Höhe der Niere in ihre linke Seite fraß. Isla schrie so laut wie ein gepeinigtes Tier und brach zitternd in die Knie. Wieder wurde sie von dem unbarmherzigen Blitz getroffen, diesmal zwischen den Schulterblättern. Bevor sie endgültig in einen bodenlosen Abgrund fiel, als ihr etwas Scharfes ebenso grausam wie kraftvoll die Kehle durchschnitt und warmes Blut fontänengleich aus der klaffenden Wunde in die Finsternis spritzte …


© Fabia Mortis



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