Fränkischer Krampus
03.07.2022

Gestern erzählte ich einer Freundin zwischen Haareschneiden und Strähnchenfärben (sie ist Friseurin) von meinem neuen Buchprojekt. Nachdem sie aus Oberbayern stammt, war ihr der Nachtgieger bis dahin fremd. Als ich ihr kurz erklärt hatte, worum es sich dabei handelt. meinte sie, dass sie bei Gelegenheit ihren Mann, der aus Unterfranken stammt, fragen müsse, ob er denn schon einmal etwas vom Nachtgieger gehört hat (Ich bin davon überzeugt, dass er das hat. Schließlich kennt ihn in Franken jedes Kind!). Wenig später – ich saß daddelnderweise mit dekorativen Aluolien im Haar herum - rief meine Freundin quer durch den Frisörsalon: „Wie heißt Dein fränkischer Krampus nochmal?“

 

In diesem Moment musste ich zunächst herzlich lachen, weil ich die Parallele zum Krampus, der vor allem im südlichen Bayern, in Österreich sowie im Alpenraum sein Unwesen treibt, bis dato noch nicht gezogen hatte. Doch beide Schreckgestalten haben auffällige Gemeinsamkeiten. Ihre hervorstechendste Eigenschaft ist es, dass sie freche Kinder fressen. Der Krampus tut dies ausschließlich während der Adventszeit, wohingegen der Nachtgieger ganzjährig unterwegs ist.

 

Ein Detail, welches mir am Krampus besonders gut gefällt, ist, dass er Kuhglocken mit sich führt oder gelegentlich auch mit Ketten rasselt. Allerdings habe ich mich bereits dazu entschieden, dass mein Nachtgieger lautlos und blitzschnell zuschlagen wird.

 

Nach 22 Uhr. Nachts. In der Dunkelheit.

© Fabia Mortis

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